Heißt „crank“ wirklich „krank“ oder gar “Geisteskranker”?

Oder kann ein crank wie jeder andere Mensch ganz unabhängig von seinem Weltbild geistig krank oder auch gesund sein? Im Blog von Dr. Markus Pössel schreibt ein Kommentator in Bezug auf die Definition des Begriffs Crank/Crackpot auf Wikipedia am 31.12.2012, 03:30:

So gut Wikipedia auch ist, sie haben trotzdem nicht das Hoheitsrecht auf die absolute Wahrheit! Mag sein es ist ein Generationsproblem. Aber für mich bedeutet das Wort “Crank”, benutzt in der deutschen Sprache, eine üble Beleidigung. Denn es suggeriert unterschwellig, dass man es mit einem “Kranken” wenn nicht sogar mit einem “Geisteskranken” zu tun hat.

CrankWatch erlaubt sich dazu mal ein paar Worte zum Ende des Jahres, schauen wir uns doch einfach mal die Definition von Wikipedia genauer und im Detail an, hinterfragen wir aber vorab noch, ob das englische Wort „crank“ irgendwo wirklich mit dem deutschen Wort „krank“ in Verbindung steht, außer eben der Tatsache, dass es nur einen unterschiedlichen Buchstaben in der Schreibweise gibt. Bei LEO findet man zu dem englischen Begriff „crank“ als härteste Übersetzung „Spinner“ aber nicht „krank“ oder gar „Geisteskranker“. Suchen wir nach der englischen Übersetzung von „krank“ findet sich nicht einmal etwas wie „Crank“ oder „Crackpot“ sondern ill, sick, bad, diseadsed, morbid, unsound. Ein „Kranker“ wird mit „invalid“ oder „sick person“ übersetzt. „Geisteskranker“ heißt auf englisch: „mental patient“ oder „mentally ill person“ und ganz sicher auch nicht „crank“.

Es mag eventuell ja noch nachvollziehbar sein, dass der Kommentator in dem Begriff eine Beleidigung erkennt, wenn er der englischen Sprache nicht so mächtig ist. Aber alleine von der Ähnlichkeit der Begriffe auf eine ähnliche Bedeutung schließen, kann man sicher nicht dem zum Vorwurf machen, der diesen richtig wie definiert nutzt. Was steht denn nun wirklich bei Wikipedia zu Crank/Crackpot:

Crackpot ist ein abschätzig gemeinter englischer Slangausdruck für eine Person mit exzentrischen Ansichten („Exzentriker“, „Spinner“, „Verrückter“).

Da steht weder Spinner noch Verrückter drin und es handelt sich auch noch nicht um den Begriff „Crank“ sondern „Crackpot“. Lesen wir weiter:

In seiner eingeschränkten Bedeutung als „eine Person, die Theorien vertritt, die dem gegenwärtigen Stand der Forschung widersprechen“, ist der Begriff auch in die deutschsprachige Netzkultur eingedrungen.

Der Begriff ist in die deutschsprachige Netzkultur eingedrungen, dort aber in einer eingeschränkten Bedeutung, welche da lautet:

„eine Person, die Theorien vertritt, die dem gegenwärtigen Stand der Forschung widersprechen“

Im deutschen Sprachgebrauch, und eben explizit im Netz, steht der Begriff „Crackpot“ also eben nicht mehr für Spinner und Verrückter. Und nun aufgepasst, dass bedeutet nicht, dass ein „Crackpot“ nicht dennoch ein Spinner und Verrückter sein kann. Das kann aber nicht unser Problem sein. Wenn man nur auf Dackel trifft, welche ja alle Hunde sind, können daraus nicht ableitet werden, dass jeder Hund den man treffen wird, auch immer ein Dackel sein muss. Das sind zwei verschiedene Dinge, ein Crackpot kann natürlich auch eine kranker Mensch sein, aber dieses ist nicht die Definition. Lesen wir mal weiter:

Hier [in der deutschsprachigen Netzkultur] wird Crackpot oft synonym zu Crank verwendet (ursprünglich englisch für Kurbel, im übertragenen Sinn aber auch: „Spinner“, „seltsamer Kauz“).

Achtung, der Begriff „Crackpot“ wird oft synonym zu „Crank“ verwendet, nicht der Begriff „Crank“ als synonym zu „Crackpot“. Der Begriff „Crank“ wird als „ursprünglich englisch für Kurbel“ benannt. „Ursprünglich“ ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Bedeutung in der Netzkultur davon abweicht. Wikipedia schreibt weiter:

Verwendung innerhalb der Netzkultur: In Wissenschaft und Netzkultur hat der Begriff jeweils unterschiedliche Konnotationen. In der Netzkultur versteht man darunter eine Person, die sich unkonventionelle Ideen – in oft obsessiver Form – zu eigen macht und sich auch durch stichhaltige Gegenargumente nicht mehr von ihnen abbringen lässt.

Liest man wie „unorthodoxen Kritikern“ in der Regel diskutieren und wie diese auf Gegenargumente reagieren, beim besten Willen, da passt der Begriff „crank“ doch schon sehr gut. Weiter steht Wikipedia:

Fehler in ihren Einschätzungen (selbst grundlegende), die leicht aufgezeigt werden können, werden von ihr nicht als solche anerkannt.

Auch das zeigt sich im Dialog mit den selbsternannten „Kritikern“ sehr häufig. Welcher dieser sogenannten „Kritiker“ hat mal einen aufgezeigten grundlegenden Fehler in der eigenen Einschätzung als solchen anerkannt? Und weiter geht es:

Crackpots verwenden dabei selten wissenschaftliche Methodik, sondern argumentieren mit Phrasen wie „Es ist logisch …“ oder „Es ist offensichtlich …“.

Passt meiner Meinung nach wie die Faust aufs Auge. Das Wort „logisch“ ist ausgesprochen beliebt bei den selbsternannten „Kritikern“, oder nicht?

Ihr Fachwissen beziehen sie meist aus eigenen Interpretationen von veralteten Theorien oder vereinfachten Darstellungen in den Medien.

Da sehe ich keinen Widerspruch, die Äthertheorie von Lorentz wird oft ins Feld geführt. Ich bin mir sogar sehr sicher, dass 99% der sogenannten „Kritiker“ nicht nur nie einen Tipler in Händen hatten, sondern nicht mal wissen was ein Tipler ist. Der Begriff ist in der Wissenschaft so bekannt, dass es reicht bei Google nur nach Tipler zu suchen. Es ist ein dickes schweres großes Buch mit ganz vielen Seiten und auf dem steht ganz groß „Physik“. Und Weiter geht es:

Ein charakteristisches Merkmal von Crackpots ist die Behauptung, ihre Hypothesen könnten verschiedenste Beobachtungen in der Natur besser erklären als gängige wissenschaftliche Theorien. Zur Unterstützung ihrer Theorien verwenden sie oft anekdotenhafte Auszüge aus seriösen wissenschaftlichen Arbeiten, die, aus dem Zusammenhang gerissen, ihre Argumentation zu stützen scheinen.

Na das mit dem „aus dem Zusammenhang gerissen“ kennen wir doch gut. Nun abschließen noch das:

Im Bereich der Netzkultur werden auch Begriffsbildungen wie Crackpottery (zu deutsch etwa: Crackpotterei) und Crackpotism (deutsch etwa: Crackpotismus) verwendet. Insbesondere community-basierte Internetportale wie Wikipedia sind anfällig gegenüber Crackpots.

Dieser Satz muss nun nicht noch extra genauer erklärt werden, er sollte Jedem der Verstehen will verständlich sein.

Abschließen sei gesagt, ich habe hier nun deutlich aufgezeigt, dass es keinen Zusammenhang gibt, der von „crank“ auf „krank“ oder gar Geisteskranken schließen lässt. Ich erlaube mir den Begriff darum weiterhin so zu verwenden und zu verstehen, wie er in der deutschen Netzkultur verstanden und verwendet wird. Wer sich nun dadurch beleidigt fühlt, wird damit leben müssen, und im Ernst, die Cranks sind ja nun nicht wirklich zimperlich, wenn es um die „Benennung“ der Physiker oder jeden der zur anerkannten Lehrmeinung steht.

Michael Shermer schrieb zum Thema Cranks in seinem Blog auch einen wirklich sehr lesenswerten Beitrag.

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3 Antworten auf Heißt „crank“ wirklich „krank“ oder gar “Geisteskranker”?

  1. Andrej sagt:

    Echt zum Durchdrehen!

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  2. Sriker sagt:

    Interessant, GOMueller hat bei der Polit-, Psycho- und Jugendsekte Neue Akropolis ein Interview veröffentlicht.

    Ist die Antwort auf die Frage, heißt „crank“ wirklich „krank“ oder gar “Geisteskranker” danach wirklich sooo schwer zu beantworten?

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  3. Pingback: arte – „Das Ende der Menschheit“ in der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt | RelativKritisch

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